Lebenskraft in der Akupunktur Müller-Kurzwelly, Bachlauf im Herbstwald

Nach Anschauung der chinesischen Naturphilosophie ist das ganze Universum von "Qi" erfüllt. Alle Vorgänge im Universum und auch alle Erscheinungen - ob materiell oder nicht-materiell - sind das Ergebnis der Zusammenballung oder Dispersion (Zerstreuung) von Qi. Materie wird als sehr dichte Form von Qi verstanden (eine erstaunliche Korrelation mit der heutigen Atomphysik, vgl. "Am Anfang war der Quantengeist",  Prof. Hans-Peter Dürr). Der Begriff "Qi" kann nicht adäquat ins Deutsche übersetzt werden, er hat viele Bedeutungen. Qi bildet sowohl die belebte, als auch die unbelebte Materie (Minerale, Pflanzen, Tiere und der Mensch), und ist nach Ansicht der traditionellen chinesischen Naturphilosophie, die treibende Kraft aller Lebensvorgänge.

Das Leben ist eine Kondensation von Qi, der Tod ergibt sich wieder bei Zerstreuung des Qi`s. "Jede Geburt ist eine Kondensation, jeder Tod eine Auflösung. Die Geburt ist kein Gewinn, der Tod kein Verlust..." (Zhang Zai, zitiert nach G. Maciocia, Die Grundlagen der Chinesischen Medizin, Verlag für TCM, Dr. Erich Wühr, Kötzting).

Einerseits ist das Qi als Grundlage aller Vorgänge im Universum und aller Substanzen eine Einheit. Andererseits unterteilt man das Qi, das letztlich für die Bildung aller vitalen Substanzen des Menschen ("Essenz", "Qi", "Blut" und die "Körperflüssigkeiten") verantwortlich ist (im Gegensatz zur Homöopathie) beim Menschen in verschiedene Namen, je nach der jeweiligen Funktion und Erscheinung des Qis. Qi kann als sehr stoffliche Form auftreten (Körpersäfte) oder auch vollkommen unstofflich sein (als "Geist" Shen).

Das Qi des Menschen ist sowohl ererbt (Erbenergie) als auch erworben (aus Nahrung und Atmung). Das Qi betrifft sowohl das Körperliche, als auch das Seelisch-Geistige.

Alles was lebt, ist von Lebenskraft durchflossen. Im gesunden Zustand schwimmt der Mensch in Lebenskraft, wie der Fisch im Wasser. Dabei gibt es sogenannte Hauptenergiebahnen (Art "Autobahnen"), nämlich die Meridiane (Jing-Mai) und die Netzgefäße (Luo-Mai). In den Meridianen, die im Gegensatz zum Nervensystem im Körper in Längsrichtung verlaufen, bewegen sich Qi, Blut und Körperflüssigkeiten, und sorgen so für eine rasche Verteilung von Nährstoffen und Qi. Unter den Meridianen unterscheidet man, neben anderen, 12 Hauptmeridiane und 8 außerordentliche Meridiane (sog. "Wundermeridiane").

Die 12 Hauptmeridiane haben einen oberflächlichen Verlauf und einen inneren Verlauf, durch den sie mit - ihnen zugeordneten - inneren Organen verbunden sind. Die inneren Organe und die ihnen zugeordneten und nach ihnen benannten Hauptmeridiane bilden eine energetische Einheit. Eine Störung der Hauptmeridiane kann bis ins Innere zu den Organen vordringen.